Edward Tolman – Latentes Lernen

Latentes Lernen ist eine Art des Lernens, die sich nicht im Verhalten des Lernenden zum Zeitpunkt des Lernens zeigt, sondern sich später zeigt, wenn eine geeignete Motivation und Umstände auftreten. Die Idee des latenten Lernens war Tolman nicht originell, aber er entwickelte sie weiter.

Tolman argumentierte, dass die Menschen täglich diese Art des Lernens anwenden, während wir täglich die gleiche Strecke fahren oder gehen und die Standorte verschiedener Gebäude und Objekte kennenlernen. Nur wenn wir ein Gebäude oder Objekt finden müssen, wird Lernen offensichtlich.

Tolman führte Experimente mit Ratten und Labyrinthen durch, um die Rolle zu untersuchen, die die Verstärkung bei der Art und Weise spielt, wie Ratten ihren Weg durch komplexe Labyrinthe lernen. Diese Experimente führten schließlich zur Theorie des latenten Lernens.

Kognitive Karten als Beispiel für latentes Lernen bei Ratten

Tolman prägte den Begriff der kognitiven Karte, die eine interne Darstellung (oder ein Bild) eines externen Umweltmerkmals oder einer Landmarke ist. Er dachte, dass Individuen eine große Anzahl von Cues (d.h. Signale) aus der Umgebung erwerben und diese nutzen könnten, um ein mentales Bild einer Umgebung (d.h. eine kognitive Karte) zu erstellen.

Durch die Verwendung dieser internen Darstellung eines physischen Raumes könnten sie zum Ziel kommen, indem sie wissen, wo er sich in einem Komplex von Umweltmerkmalen befindet. Abkürzungen und wechselnde Routen sind mit diesem Modell möglich.

In ihren berühmten Experimenten bauten Tolman und Honzik (1930) ein Labyrinth, um das latente Lernen bei Ratten zu untersuchen. Die Studie zeigt auch, dass Ratten aktiv Informationen verarbeiten und nicht auf eine Reizreaktionsbeziehung reagieren.

Edward Tolman - Latentes Lernen

kognitive Karte

Zielen

Zu zeigen, dass Ratten Navigationsentscheidungen treffen könnten, die auf dem Wissen über die Umwelt basieren, anstatt dass ihre Richtungsentscheidungen einfach von den Auswirkungen von Belohnungen diktiert werden.

Vorgehensweise

In ihrer Studie mussten sich 3 Gruppen von Ratten in einem komplexen Labyrinth zurechtfinden. Am Ende des Labyrinths befand sich eine Lebensmittelkiste. Einige Gruppen von Ratten konnten das Futter essen, andere nicht, und für einige Ratten war das Futter erst nach 10 Tagen verfügbar.

Gruppe 1: Belohnt

Tag 1 – 17: Jedes Mal, wenn sie zu Ende gingen, erhielten sie Nahrung (z.B. verstärkt).

Gruppe 2: Verzögerte Belohnung

Tag 1 – 10: Jedes Mal, wenn sie zu Ende gingen, wurden sie ausgeschaltet.
Tag 11 -17: Jedes Mal, wenn sie zu Ende gingen, erhielten sie Nahrung (z.B. verstärkt).

Gruppe 3: Keine Belohnung

Tag 1 – 17: Jedes Mal, wenn sie zu Ende gingen, wurden sie ausgeschaltet.

Ergebnisse

Die verzögerte Belohnungsgruppe lernte die Route an den Tagen 1 bis 10 und bildete eine kognitive Karte des Labyrinths. Sie brauchten länger, um das Ende des Labyrinths zu erreichen, weil es keine Motivation für sie gab, zu spielen.

Ab Tag 11 hatten sie eine Motivation zur Leistung (d.h. Essen) und erreichten das Ende vor der Belohnungsgruppe.

Grafik mit den experimentellen Ergebnissen von Tolman

Dies zeigt, dass zwischen Stimulus (das Labyrinth) und Reaktion (Erreichen des Endes des Labyrinths) ein Vermittlungsprozess stattfand, bei dem die Ratten aktiv Informationen in ihrem Gehirn verarbeiteten, indem sie mental ihre kognitive Karte (die sie latent gelernt hatten) verwendeten.

Kritische Bewertung

Die Verhaltensforscher erklärten, dass die Psychologie das tatsächlich beobachtbare Verhalten untersuchen sollte und dass zwischen Stimulus und Reaktion nichts passiert (d.h. es finden keine kognitiven Prozesse statt).

mediatorische Verarbeitung in der Kognitionspsychologie

Edward Tolman (1948) stellte diese Annahmen in Frage, indem er vorschlug, dass Menschen und Tiere aktive Informationsprozesse sind und nicht passive Lernende, wie es der Behaviorismus vorgeschlagen hatte. Tolman entwickelte eine kognitive Sichtweise des Lernens, die in der modernen Psychologie populär geworden ist.

Tolman glaubte, dass Individuen mehr tun, als nur auf Reize zu reagieren; sie handeln auf Überzeugungen, Einstellungen, veränderte Bedingungen und streben nach Zielen. Tolman ist praktisch der einzige Behaviorist, der die Reiz-Reaktions-Theorie für inakzeptabel hielt, weil eine Verstärkung nicht notwendig war, um zu lernen, wie es geschehen konnte. Er fühlte, dass das Verhalten hauptsächlich kognitiv war.

Referenzen

Tolman, E. C., & Honzik, C. H. (1930). Einführung und Entfernung von Belohnung und Labyrinthleistung bei Ratten. Publikationen der University of California in Psychologie.

Tolman, E. C. (1948). Kognitive Karten bei Ratten und Männern. Psychologische Überprüfung, 55(4), 189.